Necroweb (2006)
Am 20.05.2006 kam die steirische Band Perishing Mankind auf Einladung der Tiroler Formation Inzest erstmalig nach Tirol, und spielten im pmk-Innsbruck ihren ersten Gig. Die aus fünf Mitgliedern bestehende Band, aus dem Osten Österreichs ließen sich aber trotz langer Anreise, ins Heilige Land Tirol und den damit verbundenen Strapazen nichts anmerken. Bereitwillig nahmen sich drei ihrer Mitglieder, kurz vor ihrem Auftritt die Zeit, und standen mir Rede und Antwort. Die Verbundenheit regionaler Wurzeln, und der positive Umstand keiner Sprach(Dialekt)barrieren ausgesetzt zu sein, machte dieses Interview zu einem sehr informativen, aber gleichzeitig auch zu einem wahrlich witzigen Treffen.
NecroWeb: Hallo Leute! Aus eurer Homepage entnehme ich, dass ihr alle aus der Steiermark kommt. Euer Live-Debüt habt ihr ja in Leibnitz über die Bühne gebracht. Kommt ihr alle aus dieser Gegend? Und was treibt ihr so beruflich, wenn ihr nicht gerade in Sachen Schwermetal unterwegs seid? – Nur um mir ein besseres Bild von euch machen zu können.
Gernot: Also, wir sind tatsächlich alle aus Leibnitz (Südsteiermark), wohnen aber mittlerweile längst alle in Graz. Na ja, was machen wir? Drei von uns studieren, und die Anderen sind ganz normal Berufstätig. Ich bin zur Zeit gerade mit meiner Doktorarbeit beschäftigt.
NecroWeb: In welchem Fachzweig?
Gernot: Kunststofftechnik. Ja, ich verbringe meinen Lebensabend in Leoben – leider.(Gelächter)
NecroWeb: Erzählt mir bitte was über euren musikalischen Werdegang!
Gernot: Angefangen hat alles damit, dass ich Georg überredet habe, er soll sich eine Gitarre kaufen. Nachdem er meinem Wunsch entsprochen hat, haben wir einmal begonnen "Paradise Lost" Nummern zu spielen, und unregelmäßig zu üben. Dann ist plötzlich Georg mit einer Schlagzeugerin (Beate) und einem Bassisten (Paul) aufgekreuzt - so hat alles vor ca. vier Jahren seinen Lauf genommen. Wir haben uns dann bei mir im Keller getroffen und unsere Eltern geärgert.
NecroWeb: Gestaltete sich der Start, in der Provinz eigentlich schwierig?
Holger: Es war grundlegend etwas schwierig Leute aufzutreiben, mit denen man was gemeinsam machen konnte. Es war unser Glück, dass wir uns untereinander gut kannten. Wir waren alle mit genügend Freizeit ausgestattet, und hatten jede Menge Spaß das Ganze zu forcieren – so hat sich das Ganze entwickelt.
NecroWeb: Ihr seid Freunde, und teilt die selben Interessen. Da hattet ihr ja die optimale Basis. Gab es trotzdem Schwierigkeiten, so richtig in der Szene Fuß zu fassen?
Gernot: Ja, es ist halt schwer, wenn man als Band in der Steiermark Ausfälle zu verzeichnen hat und Ersatz benötigt - dann ist es sehr schwierig, jemanden Neuen zu finden. Das merkt man auch bei anderen Bands – die suchen oft monatelang Gitarristen. Schlagzeuger zu finden, ist sowieso beinah unmöglich.
Holger: Die guten Leute, spielen halt alle schon bei irgendwelchen Bands.
Gernot: Genau!
NecroWeb: Kennt die Szene im Großraum Graz Lokale wie das pmk – gibt es so was bei euch?
Gernot: Doch, gibt es schon. Zum Beispiel das Explosiv. Es ist zwar nicht so neu wie das pmk, aber es ist mit einem top Equipment (Licht, Sound) ausgestattet und auch vom finanziellen Aufwand her sind sie recht günstig. Jeder kann dort anrufen, einen Termin ausmachen und ein Konzert veranstalten. Von Punk über Metal, ist dort alles vertreten, und es haben sogar Bands wie die "Cannibal Corpse" und "Dark Funeral" gespielt.
Holger: Der Club selber ist für ca. 250 Besucher konzipiert, aber wie der Gernot schon erwähnt hat, finden sich im Explosiv auch gelegentlich bekannte Genregrößen ein.
NecroWeb: Thema Line-up – Frau am Schlagzeug. Wie reagieren die Fans eigentlich – vorwiegend die Männlichen?
(allgemeines Gelächter)
Holger: (lacht) Da hinten sitzt sie eh!
Da ich mit dem Rücken zum Eingang saß, hab sie nicht gleich bemerkt, wie sie den Backstage Bereich betreten hat... Hallo Beate!
NecroWeb: Ohne sexistisch wirken zu wollen, find ich eine Frau, in diesem von Männer dominierten Genre echt geil – wie reagieren sie nun wirklich?
(Gelächter)
Gernot: Es ist immer lustig (zwischendurch), man schaut ins Publikum rein... dann erkennen sie, dass da eine Frau hinter dem Schlagzeug sitzt. Man erkennt ungläubige Blicke... der eine tippt dem anderen auf die Schulter - Fingerzeig in Richtung Beate... der schaut auch blöd.
NecroWeb: Damit hast du meine Frage eigentlich schon fast beantwortet.
Gernot: Es ist eben für viele ungewohnt, aber wir haben noch nie wirklich schlechte Erfahrungen gemacht.
Holger: Ich muss sagen, man hat vielleicht ein wenig den 'Girlie-Bonus', wenn eine Frau mit von der Partie ist. Sie merken, da sind ca. 15 Männer - und eine Frau. Die Leute schauen dann schon eher ungläubig – was eine Frau? Aha – cool!!
NecroWeb: An was mag das liegen? Traut man ihr das nicht zu?
Gernot: Es ist für manche einfach untypisch – eine Frau in der Metallszene. Vielleicht maximal eine Keyboarderin – das kennen die Fans.
NecroWeb: Engstirnig und vielleicht etwas präpotent – Da brauchen wir gar nicht mehr weiter diskutieren, oder?
Beate: Stimmt!!!
NecroWeb: Die Szene scheint mir doch schon sehr übersättigt. Was ist bei euch anders? Und gibt es vielleicht noch eine Lücke in diesem Genre, die man mit Eigenständigkeit füllen kann?
Gernot: Was uns von Anderen unterscheidet? Hm... das kann ich so nicht beantworten.
Holger: Ich sag einmal, wir haben uns nie stur auf einen fixen Stil festgelegt. Von vorn herein nicht! Wir haben nie gesagt, wir spielen dieses oder jenes. Sonst kann es schon passieren, dass da gewisse Stimmen laut werden - das ist Thrash oder Melodic - mag ich nicht... usw.
NecroWeb: Ich finde, breitgefächert und genreübergreifend spielen, ist sowieso die Zukunft.
Gernot: Find ich auch, denn es ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit etwas Neues zu schaffen. Wenn man heute nur mehr einen klassischen Death-Metal spielt – das haben die Bands vor 15 Jahren vielleicht besser auf die Reihe gebracht als wir.
NecroWeb: Beispiel "Katatonia" vom Black-Metal zum Prog-Rock. Ich finde, man muss in der heutigen Zeit flexibel sein, um in der Szene musikalisch überleben zu können, oder?
Gernot: Die Musik, die man spielt, muss glaubwürdig sein. Man muss seiner Linie konsequent treu bleiben! Und das ist meiner Meinung nach das, was gewisse Bands versäumen. Sie machen es nicht konsequent genug.
Holger: Man muss auch mit viel Spaß dabei sein. Wir haben bei unseren Auftritten die Erfahrung gemacht, je mehr Show du machst, und je mehr du auf dein Publikum zu gehst, desto mehr sich auf der Bühne abspielt – das wird dann auch von den Fans positiv honoriert.
NecroWeb: Ja genau, Flexibilität ist sowieso das um und auf und zeugt schon auch von großem Können.
Gernot: Sicher, wenn du heute nur Thrash spielst oder dich sonst auf eine Stilrichtung festlegst – limitiert man sich nur!
Holger: Dann ist auch für nichts Anderes mehr eine Tür offen – und das kann man dann vergessen!
Gernot: Das wird man in jedem Interview von uns hören. Im Prinzip hören wir alle Metal, aber von allen quer durch die Bank. Dem einen gefällt das mehr, und dem Anderen jenes – so hat halt jeder seine Einflüsse.
NecroWeb: Ich tu mich gelegentlich auch schwer, wenn es um die Vielzahl der Unterkategorien geht. Früher war es etwas vielleicht einfacher, bei einer Hand voll Richtungen.
Gernot: Ja, aber da gab es auch noch nicht so viele Bands. Allein in Österreich gibt es ein paar hundert Metal-Bands, du brauchst ja nur im Internet unter http://metal-archives.com nachlesen. Allein in Österreich – so ein kleines Land über 600 Metal Bands.
Wenn man dann noch hochrechnet, wie viele es in Deutschland, Europa und in Amerika gibt. Es geht eben nicht mehr so einfach wie früher, wie z.B. Metallica, die beginnen ihre Karriere, veröffentlichen ein Demo, und es wird weltweit gleich einmal bejubelt.
NecroWeb: Ich finde es auch vom markttechnischem Standpunkt her schwierig, wenn man Bands so strikt kategorisiert. Weil sich dann vielleicht nur gewisse Zielgruppen angesprochen fühlen.
Holger: Ja, genau.
Gernot: Ich find es auch immer sehr interessant. Wenn ich unsere Reviews durchlese (allein aus Deutschland kamen mehr als 30), mit wem oder was man da alles verglichen wird. Z.b. "In Flames", "Shadows Fall" - und was weiß ich mit wem alles noch. Sogar "Metallica" war mit dabei.
Holger: "Metallica" (schmunzelt) das war dann doch ein bissl zuviel des Guten.
NecroWeb: Ja, ja – die heiligen "Metallica"
allgemeines Gelächter – mit Stolz trägt nämlich Gernot sein "Metallica" T- Shirt!!!
Gernot: Hm.. Es gibt wohl nichts besseres!
NecroWeb: Man liest und hört gelegentlich von Gothic-Einflüssen?
Georg: Das entsteht einfach so.
Holger: Genau!
Georg: Wir machen einfach das, was uns am besten gefällt!
Holger: Ich würde einmal sagen, wenn dem so sein sollte, stand dahinter bestimmt keine Absicht. Wenn gewisse Hörer da Gothic-Einflüsse heraushören - Ok. Es stand aber nie eine Intention dahinter.
NecroWeb: Also kann man sagen, eher passiert – und nicht gewollt.
Gernot: Ja! (Passiert) wir sitzen im Proberaum, irgendwer kommt mit einem Riff daher oder mit einer Idee. "Probier das aus – das könnte cool klingen!" Wenn es dann zufällig gothicmäßig klingt, Ok dann ist es eben so!
Im Prinzip diskutieren wir das gemeinsam aus, was passen könnte. Wir probieren hunderttausend Sachen aus, und wenn es dann für alle stimmig ist, kommt es in den nächsten Song. Wenn es dann nach Gothic klingt – schön.
NecroWeb: Ihr habt euer Debüt "Fall Of Men" ja in Wien aufgenommen. Waren die Ressourcen in der Steiermark zu klein? Ich komm ja aus Trofaiach, und da fällt mir spontan Napalm Records in Eisenerz ein – wäre das nicht die steirische Lösung gewesen?
Gernot: Na, so viele österreichische Bands hat N.R. gar nicht mehr unter Vertrag – zwei vielleicht???
NecroWeb: Und wieso jetzt bei Black Lagoon Records in Wien?
Gernot: Im Prinzip ist es das Studio unseres Labels, also, Studio & Label gehören zusammen, und darum haben wir es selbstverständlich in Wien aufgenommen. Das ist eigentlich der einzige Grund und wir werden auch weiterhin in Wien aufnehmen.
Also, es gibt in der Steiermark schon Studios. Gerade jetzt nehmen mittlerweile viele Bands beim Sänger und Gitarristen von "Midgard" auf – ist eben auch eine steirische Band. Sie haben sich kürzlich ein Studio eingerichtet – der macht das recht gut.
Holger: Ja, wäre auch eine gute Möglichkeit.
Gernot: Wie gesagt, es gibt bei uns schon Studios, aber es hat sich eben über das Label so ergeben.
NecroWeb: Na ja, Leibnitz – Wien (ca. 2 Stunden Anreise) ist ja auch nicht so extrem weit.
Holger: Ergeben hat sich das Ganze über einen Auftritt in Wien. Der Veranstalter von dort, und unser jetziger Produzent & Label-Chef ist dort auf uns aufmerksam geworden. Er hat uns spontan angesprochen, ob wir nicht Lust hätten eine CD aufzunehmen. Und... ja, im Endeffekt waren wir dann ein Monat später im Studio, und haben bei ihm aufgenommen.
NecroWeb: Ist ja alles recht unbürokratisch über die Bühne gegangen.
Holger: Ja, er ist einfach auf uns zugekommen. Wir haben es uns überlegt, und waren der Meinung – irgendwie wäre es schon interresant.
Gernot: Ja, Hm... eine Woche später waren wir dann bei ihm im Studio. Er hat gemeint „In drei Wochen beginnen wir!“
Wir haben uns dann drei Wochen selbst kaserniert, und einmal lernen müssen, wie man mit Metronom spielt – und solche Kleinigkeiten.
Holger: Einfach die technischen Kinderkrankheiten ausmerzen.
Gernot: Lieder umschreiben, weil sie nicht wirklich gepasst haben. Oder, weil sie nicht spielbar waren - zumindest nicht in einem Tempo durch.
Es war aber für uns ein sehr guter Lernprozess, der uns sehr weiter geholfen hat. Wir haben sehr viel im technischen Bereich dazugelernt, dadurch wurden wir auch bei unseren Liveauftritten immer kompakter – weil wir dann ganz einfach sicherer spielten.
NecroWeb: "Perishing Mankind" klingt ja total spannend. Für wen oder was steht eigentlich der Name?
Holger: Das heißt nichts anders, als zugrundegehen oder dahinsiechen.
Gernot: Zugrundegehende Menschheit.
Holger: Soviel wie, dass wir alle irgendwann zugrunde gehen werden.
Gernot: Wir haben irgendwann im Proberaum gesessen und uns wurde klar, dass wir schon knapp ein dreiviertel Jahr zusammen spielen – also wir brauchten wir endlich einen Namen. Dann sind eine Vielzahl an Vorschläge gekommen – von sinnlos bis echt cool. "Perishing Mankind" hat uns dann einfach am besten gefallen.
In weiterer Folge haben wir dann eigentlich alles drum herum aufgebaut. Auch rein textlich geht es viel um diese apokalyptische Stimmung. Von der Menschheit, die sich selber zu Grunde richtet, sei’s durch Kriege oder Umweltverschmutzung.
Holger: Ich saug irgendwie den ganzen Müll rundherum auf, und versuche diese Themen in meine Texte einzubinden.
NecroWeb: Kommen wir gleich zu euren letzten Auftritten. Ihr seid ja beim "Metal For Fairness" aufgetreten. Ich find solche Benefizgeschichten grundsätzlich super, und finde es auch absolut legitim, wenn beide Teile profitieren (Projekte und Bands). Wie ist es eigentlich um euer soziales Engagement privat bestellt?
Gernot: Grundsätzlich ja und in der Praxis waren ich und Georg mehrere Jahre für das Rote-Kreuz tätig. So wie du sagst, beim "Metal For Fairness" Konzert haben beide profitiert. Wenn ich mich recht erinnere wurden über 6000 Euro eingenommen.
Holger: Ich glaube es waren sogar knapp 6800 Euro.
Gernot: Es war wirklich ein Riesenerfolg!
Holger: Für das Projekt bedeutet das sicher eine Verdoppelung ihres jährlichen Etat. Berichten zu Folge sind die Verhältnisse dort wirklich dermaßen katastrophal - so gesehen wirklich ein super Erfolg!
NecroWeb: Ich hab von eurem Gastspiel bei "Radio-Helsinki" gelesen. Ich hab fast geweint vor lauter Heimweh – und es leider auch verpasst. Wie war es so, und hat es Spaß gemacht?
(Großes Gelächter)
Holger: Wir haben auch geweint, weil es soo... witzig war! Wir haben zwei Stunden dort gesessen und haben nur gelacht.
NecroWeb: Wie darf ich mir das vorstellen? Ihr wart ja zwei Bands – war das ein reines Interview?
Gernot: Also, wir waren mit einer anderen Band dort, mit unseren Freunden von "Ars Moriendi". Mittlerweile sind sie nun auch unsere jetzigen Labelkollegen - die diesen Herbst ihre erste CD veröffentlichen werden.
Eigentlich ist es eine Sendung, die hauptsächlich Festivals ankündigt. Wir sind hinein, sie haben laufend Metal-Nummern gespielt und uns dazwischen befragt. Dann sind so unnötige Fragen gekommen, wie z.B. "wie schaut es bei euch mit Groupies aus?" Wir haben nur mehr am Boden gelegen, und haben uns vor lauter Lachen regelrecht gewunden.
NecroWeb: Bezüglich Groupies, Beate. Haben sie dich auch gefragt?
Beate: schmunzelndes Kopfschütteln.
Gernot: Na, sie war leider nicht dabei. Es war einfach nur witzig. Trotzdem keine schlechte Sache - Radio Helsinki. Es ist immer stundenweise organisiert, und man kann dort hingehen, und bekommt die Möglichkeit jede Woche eine Sendung zu machen. Wenn keiner kommt, dann kommt halt alles aus der Konserve.
NecroWeb: Holger, dein Zitat in eurer Bio. Bist du so ein belesenes Genie, und spiegelt dieses Zitat deine Lesegewohnheiten wieder?
Holger: Ups... erwischt! Nein, ganz so verhält es sich nicht. Dieses Zitat, ist mehr oder weniger eine Mischung verschiedenster Sprüche. Von der "Nackten Kanone" bis hin zum...
....meine schwerste Literatur, ist ein lustiges Taschenbuch – für das stille Örtchen.
NecroWeb: Ich glaub, da frag ich besser nicht weiter. Wie sehen eigentlich eure Zukunftspläne aus?
Holger: Ja, so wie es aussieht werden wir im November wieder ins Studio gehen, und eine CD aufnehmen, die voraussichtlich im Januar oder Februar 2007 erscheinen wird. Es wird wahrscheinlich so was wie ein allgemeiner Restart - ein paar Dinge umstellen.
Von den Seiten unserer Homepage, Merchandising, ... und grundlegende Änderungen im Marketingbereich.
Gernot: Wir waren ja das erste Release unseres Labels. Wir haben gelernt – er hat gelernt. Wir haben bis dato ja nur den Vertrieb in Österreich, aber in Zukunft werden wir auch Deutschland und Italien in den Vertrieb mit einbinden.
NecroWeb: Stichwort neue Veröffentlichung. Wie steht ihr eigentlich dem ganzen Datenklau gegenüber, was unveröffentlichte CDs anbelanget?
Gernot: Also, ich sehe das eher als Promotion. Ich hab uns z.b. auf Downloadseiten aus der Türkei und China gefunden. Das ist ein Markt, den wir auf normalen Weg sowieso nicht so schnell erreichen werden. Wenn die dann unsere Musik auf diesem Weg bekommen – ist das Ok. Darum stört uns das in diesem Moment gar nicht so. Du musst dir das so vorstellen, wir sind noch eine relativ kleine Partie, reißen uns den Arsch auf – alles um bekannter zu werden. Es kommt schon vor, dass eine Gruppe 16jähriger zu unseren Konzerten kommen, und wenn die unseren Auftritt geil fanden, hat einer die CD gekauft – um sie dann vermutlich für den Rest zu brennen.
Sie haben dann zwar nur eine gekauft, aber beim nächsten Gig sind sie wahrscheinlich wieder da, und kennen unsere Lieder. So gesehen haben wir zur Zeit nicht wirklich ein grundlegendes Problem damit. Vielleicht wird das ganze Thema in fünf Jahren für uns spruchreif.
NecroWeb: Eigentlich ein interessanter Blickwinkel. Wenn wir schon bei der CD sind, was hat es eigentlich mit dem Cover auf sich?
Holger: Das Cover war eine Idee von uns.
Gernot: Ja, die Idee ist auf unserem Mist gewachsen, und diese Vorstellung wurde so an die Graphikerin weitergegeben. Wir haben ihr unsere Vorschläge unterbreitet, wie wir uns das so vorstellen – und sie hat es super umgesetzt.
Dahinter steckt eben wieder die Thematik Perishing Mankind und "Fall Of Men" – kann man wieder mehrfach interpretieren. Wieder als der Untergang der Menschheit. "Fall Of Men" steht ja auch irgendwie für den Sündenfall in der Bibel, eben mehrdeutig. So viel zur Idee rund um unser Booklet.
NecroWeb: Ganz klar ein ansprechendes Cover, lädt natürlich auch zum Kauf ein.
Gernot: Ja, das ist auch das was ich unter konsequent gemeint habe. Man muss einfach einen Weg verfolgen, und einfach sich (uns) einer Linie treu bleiben. Denn wenn du heute als Band fünf mal dein Logo änderst, und immer was anderes machst, können sich die Leute nimmer an dich erinnern. Wenn du aber einen durchgehenden Stil verfolgst, von der Homepage über die CD bis hin zu den T-Shirts, dann hat man einen Wiedererkennungswert – nur so hat man eine Chance bemerkt zu werden.
Holger: Und natürlich, dass die Leute erkennen, was man ist und wofür man steht.
Gernot: Das ist uns eben alles sehr wichtig! Wir haben auch glücklicherweise gute Freunde und Bekannte die über das nötige Know-how verfügen und uns somit sehr gut entlasten. Wir können dank diesem tollen privatem Umfeld professioneller arbeiten.
NecroWeb: Wenn man seine privaten Ressourcen nutzen kann, hat das wahrscheinlich auch sehr große budgetäre Vorteile.
Holger: Klar, ist und war unser Budget nicht so überragend, und freilich mussten wir viel Geld investieren.
Gernot: Sehr viel sogar!
Holger: Aber jetzt kommt alles schön langsam wieder zurück - durch die Auftritte. Es baut sich schön langsam wieder ein Budget auf, mit dem wir arbeiten können.
NecroWeb: Es kommt vermutlich auch viel Emotionales zurück.
Holger: Also, es ist einfach cool, wenn wer nachdem Konzert kommt, und dir auf die Schulter klopft – "geiles Konzert"
Paul: Ich find, das ist überhaupt unsere hauptsächliche Bezahlung. Wir kommen hin, bauen dort auf, spielen dort für die Aufwandskosten, aber die eigentliche Bezahlung findet man in der Körpersprache der Menschen wieder.
Gernot: Also, ich bin mir ziemlich sicher, das wenn einer von uns aufhört oder nimmer mag – dann werden wir alle aufhören.
Wir sind ein Team, so dermaßen eingeschworen, das da kein anderer rein passt. Ich denk, da sind wir konsequent genug, und würden es auch lassen, wenn wir keinen Spaß mehr dran haben.
NecroWeb: Meine Herren und selbstverständlich die Dame, jetz bräuchte ich einen von euch, der mir spontan zehn Fragen beantwortet.
Gernot: Gut mach ich.
NecroWeb: Wie war die Anreise?
Gernot: Restalkohol.
NecroWeb: Bist du nervös, so kurz vor deinem Auftritt?
Gernot: Nein.
NecroWeb: Wie umfangreich ist deine CD Sammlung?
Gernot: ca. 700 CDs
NecroWeb: Was war dein erstes Livekonzert als Zuschauer?
Gernot: Fantastischen Vier.
NecroWeb: Trägst du einen Talismann – Bist du abergläubisch?
Gernot: Nein.
NecroWeb: INZEST – die Band?
Gernot: Liabe Leit.
NecroWeb: Single oder Vergeben?
Gernot: Vergeben.
NecroWeb: Globalisierung?
Gernot: Ja, geht nicht anders.
NecroWeb: Lieblingsfilm?
Gernot: Zu viele – Ich sag einfach Science-Fiction.
NecroWeb: Mit welchem Musiker würdest du das WE verbringen?
Gernot: Peter Tätgren von Hypocrisy – mit dem kann man sicher super Party machen.
NecroWeb: So Freunde, ich bedank mich, und natürlich im Namen von NecroWeb für das Interview.