STP Metalweekend, Freiraum St. Pölten, 20.09.2008
Als 5. Band war PERISHING MANKIND am Start. Der (Frei)Raum füllt sich langsam wieder und verwandelte sich in einen derartigen Hexenkessel, als möge man meinen die Welt ginge unter. Die Steirer wurden von der ersten Minute an gefeiert.
Nach der Aufforderung sich ein STP Metal Weekend T-shirt zuzulegen, da es nicht nur dem Veranstalter, sondern auch der Band zu gute kam, legten sie mit ihrem Publikumsliebling Nummer eins “NOX“ los. Die Meute war kaum zu bändigen und das erfreute die Truppe ganz besonders. Man konnte sehen, dass sie ganz besonderen Spaß daran hatten diesen Abend zu spielen. Vor allem Beate schien ein Dauergrinsentrauma zu haben, das ihr allerdings verging als Holger den Leuten mitteilte, dass die Show ihre letzte sei. Die letzten Worte der außerordentlich sympathischen Drummerin, die sich immer lieber im Hintergrund aufhält, waren ein kurzes aber bestimmtes “Danke“. “Mortality“, der Song der von Beate angekündigt wurde, war der erste Song der die Stimmung ein wenig trübte, da Georg ein wenig technische Probleme mit seinem 6-Saiter hatte. Vielleicht legten die Fans auch eine Art Trauerminute ein, denn beim nächsten Song ging es wieder recht heftig um. Beate scheint genervt vom ewigen Versuch Holgers sie in den Mittelpunkt stellen zu wollen und trumpft mit ihren kurzen, schnippischen Ansagen. “We Come in peace“ wurde kurzerhand in “We come and piss“ umgetauft. Doch Holger lernte nichts daraus und versuchte wieder ein paar Worte aus Beate herauszukitzeln. Beates Aussage “Spü’ ma den Scheiß fertig und gemma wos trinken“ braucht kein weiteres Kommentar. Nach der ordentlichen Portion Death und Thrash und einem einzigen, riesigen Moshpit, lädt das darauf folgende Lied des aktuellen Albums “It’s a sad day“ sehr zum Tanzen ein. Ob auch Reini, dem Veranstalter des Festivals, zum Tanzen zumute war, ist fraglich, denn ihm wurde das Lied gewidmet. Bei “Rage“ forderte der Frontmann zur “Wall of death auf“ und ließ sich den Spaß nicht nehmen auch selbst mit zu wirken und warf sich in die Menge.
Beim Abschlusssong gab es dann eine besondere Überraschung. Nicht nur, dass sich plötzlich viel mehr Leute auf der Bühne als im Publikum befanden, kam Reini mit ein paar Helferlein an und baute Beate während des Spielens das Drumset ab. Zur Krönung wurde sie dann noch in Toilettepapier eingewickelt und ins Publikum geworfen. Holgers sorgende Worte: „Machts es net kaputt, weil sonst bezahlts es“ waren die letzten dieses überdurchschnittlich guten Auftritts.
(-Devil’s Angel-)
Ein „Sad Day“ war es sicherlich für die Steirer Perishing Mankind und ihren Fans. Die Schlagzeugerin Beate der Death / Thrash Metal-Band muss die Band aus privaten Gründen verlassen und spielte ihr letztes Konzert. So machte die Formation aus dem Gig eine Abschiedsparty für ihre sympathische Schlagzeugerin. Es hatte sowieso den Anschein, als wären die meisten Besucher heute nur wegen Beate gekommen. Sänger Holger freute sich die Metalfans in „Sankt Metal“ begrüßen zu dürfen. Immer wieder belustigte Beate die Fans mit lustigen Ansagen, wie: „Lass uns den Scheiß fertig spielen, damit ma was trinken gehen können!“. Die Fans und die Band selbst bescherten ihr einen würdigen Abschied. Beim letzten Stück wurde ihr kurzerhand fast das ganze Schlagzeug weggenommen und anschließend vom Sänger höchstpersönlich und einigen Helfern mit Papierhandtuchrollen eingewickelt. So verpackt und nur mit einer Bassdrum und zwei Toms bewaffnet spielte Beate das letzte Stück fertig. Anschließend wurde sie von Holger den Fans überlassen, indem er sie mit der Anmerkung: „Machts as nicht kaputt, sonst müssts as bezahlen!“ von der Bühne warf. Die Fans verlangten noch nach einem Drumsolo, als Zugabe von Beate, jedoch konnte sie diesen Rufen aufgrund des fehlenden Schlagwerkes nicht nachgehen. Der Auftritt von Perishing Mankind war sicher für viele Zuschauer das Highlight des Abends.
An diesem Wochenende befindet man sich schon fast in St. Metal und nicht in St. Pölten, wie Sänger Holger von der Band PERISHING MANKIND feststellt. Das Metalweekend hat es in sich: kommt man, wie ich, erst am Samstag so gegen 9, dann hat man einiges verpasst; nicht nur die sechs Bands am Freitag, sondern auch DESSICATED und MITIGATE, die als Opener am Samstag auf der Bühne standen. Mit sechs Bands pro Abend liefern die Veranstalter durchaus ein dichtes Programm, das zumindest einen Teil der Metalszene mobilisierte – voll war der Freiraum nicht. Veranstaltungen wie diese beweisen: da ist schon was dran an St. Metal. Vor allem seit Mecki, auch Bassist bei EPSILON, das Booking im Freiraum übernommen hat, gibt es regelmäßig Metal-Abende.
Mit Blick auf die Performance der letzten vier Bands am Samstag – TRASHCANNED, die Vorzeige-Metal-Band spielte bereits Freitagabend – ist vielleicht doch nicht so viel dran an St. Metal. Denn PERISHING MANKIND und IN SLUMBER, die nicht aus der Umgebung kommen, sind den beiden Bands EWIG FROST aus Krems und EPSILON aus St. Pölten haushoch überlegen. Nun gut, St. Metal braucht Kulturimport – aber wer braucht das nicht.
Mein Metal-Abend beginnt mit EWIG FROST. Die Kremser Black Metal Band ersetzt die ausgefallenen DARKFALL. Vor gut eineinhalb Jahren hat Kollege Mike ihr Album „Blue Septime Winters“ für Earshot beinahe überschwänglich mit 6 von 7 Punkten bewertet. Bei diesem Gig zeigen sie sich von einer weniger spannenden Seite. Ihr Black Metal kommt nicht gerade Ideenreich aus den Boxen, bei aller Liebe zu Oldschool. Das größte Problem ist jedoch das Fehlen von technischer Perfektion: das Schlagzeug läuft ohne Höhen und Tiefen voraus, gefolgt von einem Soundbrei aus Gitarre und Bass. Überzeugend ist EWIG FROST nur in den wenigen langsamen Passagen, denn hier stimmt das Timing und plötzlich sind sie druckvoll. Auch von der Bühnenshow hätte ich mir mehr erwartet als EWIG FROST schwer geschminkt auf die Bühne kommen. Bewegung gibt es nicht viel – aber sei’s drum, auch in der Scheinwerferhitze verläuft die Schminke.
Ganz anders PERISHING MANKIND. Die Grazer Death Metal Band, so die Selbstbezeichnung, wobei es auch Metalcore ganz gut treffen würde, haben sich den Schweiß richtig verdient. Der Sound ist eigenständig und dank der Frau am Schlagzeug durchaus Genre-untypisch, erfrischend und spannend. Dass dies die letzte Show mit ihrer Schlagzeugerin ist, ist irgendwie schade. Denn gerade das Schlagzeug, neben dem hervorragenden Shouter – die Singpassagen sind verzichtbar – trägt einiges zum guten Sound bei: Sie setzt auf Akzente und stellt damit das durchgängige Geknüppel des Vorgängers locker in den Schatten und endlich kickt auch die Doublebase wie es sein soll.
Aber noch mehr als das Publikum profitiert EPSILON von der guten Performance PERISHING MANKINDs, die dem Publikum so einheizten, dass es auch bei EPSILON noch glüht. Für ihren mäßigen Erfolg können die St. Pöltner auch nicht die technischen Problemen am Anfang verantwortlich machen. Klar Thrash Metal darf auch mal richtig thrashig aus den Boxen krachen, aber mit dem was EPSILON an diesem Abend abliefert, verdient sich die Band keine Lorbeeren. Der Sound ist undifferenzierbar und kraftlos und was es der Gitarrenfraktion an Technik fehlt, fehlt es dem Schlagzeuger an Emotion. Schließlich mangelt es an Gitarrenhöhen, womit der Sound ausgewogener wäre. Den Versuch des Two-Hand-Tappings lassen wir der Gnade halber unter den Tisch fallen. Überzeugend ist der Sänger, der geschickt zwischen tiefem Growlen und hohen Shouts abwechselt. Ein technisches Highlight macht aber bekanntlich keinen Sommer.
Die Headliner des Abends IN SLUMBER zeigen wie es geht. Mit ihrem Melodic Death Metal spielen sie eindeutig in einer anderen Liga. Bei ihrer Show merkt man, dass es nicht penibel ist auf Technik und Können wert zu legen; vielmehr ist es unumgänglich, um den Riffs die nötige Härte mit auf den Weg zu geben. Gerade das haben die Bandmitglieder um Sänger Wolfgang Rothbauer eindeutig bewiesen. Bei so einer Leistung auf der Bühne gebe ich Mike recht, der IN SLUMBER für ihr Album „Scars: Incomplete“ 6,5 Punkte gegeben hat. Sie bieten auch auf der Bühne feinsten Melodic Death, der richtig groovig und außerordentlich druckvoll aus den Boxen schallt. Ein würdiger Abschluss für ein Metal Weekend.
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